Franks Vespagarage

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GTS: Doch nur Plastik!

Metall ist härter als Plastik

Da denkt man sich nichts böses, steigt morgens aus seinem Zelt und sieht die Clubfreunde mit betretenen Gesichtern neben meiner GTS stehen. „Willst dich hinsetzen, oder verträgst du eine schlechte Nachricht im Stehen?“ fragen sie. Da ich nach dem Aufstehen sowieso nicht so wirklich aufnahmefähig bin, habe ich mich für die Standvariante entschieden.

Durch einen Fingerzeig auf den unteren Bereich meiner GTS machten Sie mich auf das Fiasko aufmerksam. Ein Fünf-Mark-Stück großes Loch klaffte in dem Teil, das man bei einem richtigen Roller Trittblech nennt. Die Erklärung wurde gleich hinterher geschoben. Die PX eines Freunds war umgekippt und mit dem Bremshebel in die GTS gefallen.

Das, was man an einem Blechroller ganz simpel mit drei Hammerschlägen wieder repariert, ist bei der GTS ein kapitaler Schaden. Während mein Freund sich einfach einen neuen Bremshebel besorgt hat (Danke nochmal an das unbekannte Mitglied des VC Celle), habe ich nun einen Schaden von einigen hundert Euro. Ausbau des Plastiks, Lackierung des Teils und einsetzen der Gummis, Einbau des neuen Teils sind die Arbeiten die mindestens erledigt werden müssen.

Da die Versicherung eingeschaltet wurde, wird es wohl einen Kostenvoranschlag, bzw. ein Gutachten geben, um die Höhe des Schadens objektiv festzustellen.

Was ich jetzt schon ohne Gutachter feststellen kann: Blech bleibt Blech, Plastik bleibt Plastik. Der eindeutige Gewinner in dieser Auseinandersetzung zwischen PX und GTS ist die PX: Ein simpler Moonsault aus geringer Höhe und schon ist die GTS fast ein Totalschaden, während der Ersatz des Hebels an der PX 5,- Euro gekostet hat.

And the winner ist: BLECH!

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Lebensgefährliche Felgen

Klassische Vespa sind serienmäßig mit einer zweigeteilten Felge ausgerüstet. Der Hauptgrund dafür ist darin zu suchen, dass dies damals der Stand der Technik war und Piaggio seinen Kunden so ermöglicht, ganz einfach selbst einen Reifen zu wechseln.

Wie einfach das geht siehst Du in dieser Anleitung.

Da bei einer geteilten Felge logischerweise Luft durch die Ritzen entweichen kann, benötigt man einen Schlauch, der im Reifen liegt. Das „Schlauch-und-Mantel-Prinzip“ ähnelt dem eines Fahrrades. So schön es auch ist, wenn man sich den Reifenhändler sparen kann, weil man den neuen Reifen in der Garage selbst aufziehen kann, so gefährlich ist es auch.

Die Gefahren der zweigeteilten Felgen liegen auf der Hand: Sobald der dünne Schlauch im Inneren des Reifens angekratzt wird und ein Loch hat, entweicht die Luft sehr schnell bis schlagartig. Ein schneller Druckabfall im Vorderreifen kann insbesondere beim Vorderrad böse Folgen haben:

Der Reifen wird durch den Druckverlust „breit“ und blockiert dann unter Umständen, weil er nicht mehr an der Gabel vorbei kommt. Dass einem blockierenden Vorderrad ein sofortiger Sturz folgt, dürfte klar sein. Genau so ist es einem Freund vor einer Weile passiert, als wir auf dem Heimweg von einem großen Treffen waren. Ergebnis des Sturzes:

  • Schwere Prellungen
  • Hämatome an Bein und Arm
  • Zwei Wochen arbeitsunfähig
  • Roller zerkratzt
  • Anbauteile und Gepäck beschädigt
  • Helm und Kleidung beschädigt

 

Man kann von großem Glück sprechen, dass die Sache glimpflich ausgegangen ist.

Eine weitere Gefahrenquelle bei der zweigeteilten Felge ist das Ventil. Wer mit zu geringem Luftdruck fährt, oder nicht zulässige Schmiermittel bei der Montage der Reifen verwendet hat, läuft in Gefahr, dass sich der Schlauch im Mantel dreht und dass daraufhin das Ventil abreisst. Die Folge ist ein sofortiger Druckabfall.

Schraube im Reifen

Wie man auf dem Bild erkennen kann, hatte ich kürzlich bei meiner PX eine Schraube im Reifen. Der Reifen war nicht zu retten, da die Schraube das Innere des Reifens zerstochen hatte. Wäre ich mit einer zweigeteilten Felge mit Schlauch unterwegs gewesen, hätte ich wahrscheinlich mit den soeben beschriebenen Problemen eines plötzlichen Druckverlustes zu rechnen gehabt.

Ich habe allerdings einteilige Felgen montiert, so dass die Luft nicht, bzw. nur sehr langsam entwichen ist. In Sachen Sicherheit stellt die einteilige Felge damit einen großen Sprung nach vorn dar.

Ich fahre mittlerweile auf allen meinen Rollern die geschlossenen Felgen, da mir meine Sicherheit die paar Euros mehr Wert ist. Wer eine neue Felge benötigt, ist sowieso gut beraten, zu den schlauchlosen Felgen zu greifen. Viele Nachbauten, die preiswert sind, sind qualitativ minderwertig und haben keine ABE. Das mag zwar kaum jemand kontrollieren, aber im Falle eines Falles ist es natürlich besser, wenn alle Teile im Roller legal sind.

Ob die einteiligen Felgen schöner sind, als als andere, liegt im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall sehen sie moderner und in meinen Augen tatsächlich auch besser aus.

Ein Nachteil der Felge ist, dass man den Reifen nicht mehr selbst aufziehen kann. Unter Umständen mag das gehen, wenn man entsprechendes Werkzeug hat, man muss aber dazu sagen, dass selbst Fachbetriebe mit dem Aufziehen bestimmter Reifen (wie z.B. dem Conti Twist, den ich bevorzuge) so ihre Probleme habe. Die Selbstmontage ist somit nicht empfehlenswert. Die Kosten für die Montage liegen zwischen 5,- Euro für die Kaffeekasse und 20,-Euro mit Rechnung. Einfach mal beim Händler nachfragen.

Wer keinen bestimmten Reifentyp bevorzugt bekommt die Felgen allerdings auch schon vormontiert mit Reifen.

Fazit:

Zweiteilige Felge sind nicht mehr zeitgemäß und eine potentielle Gefahr. Wer mal einen Sturz auf Grund eines Problems mit dem Schlauch gesehen hat, der will kein Risiko eingehen und steigt auf die wesentlich sicheren einteiligen Felge um.

Ein großes Sortiment der einteiligen Felge in verschiedenen Größen (z.B. für Cosa) gibt es beim Hersteller www.SIP-scootershop.com

geschrieben von Frank in Allgemein,Fahrwerk PX und hat No Comments

Vespafahrer! Ein Volk für sich! Erkennst Du Dich wieder?

Wer sich eine Weile intensiver mit dem Thema Vespa beschäftigt und das eine oder andere Rollertreffen besucht, der wird merken, dass es ganz viele unterschiedliche Vespafahrer-Typen gibt, die alle eine Gruppe für sich darstellen. Ein Versuch der Charakterisierung dieser Gruppen:

Der alte Scooterboy

Der Scooterboy ist auf nahezu jeder Szeneveranstaltung anzutreffen. Er ist an seinen Aufnähern auf der Bomberjacke und den meist kurz geschnittenen Haaren zu erkennen. Ein Treffen bedeutet für ihn: Soul- und Skamusik die ganze Nacht, Alkohol bis zum Umfallen. Die Party ist für ihn meistens erst dann zu Ende, wenn andere schon wieder zum Frühstück erscheinen. Seine jahrelange Szenezugehörigkeit macht ihn zum Experten für „Früher…“ und „Damals…“ Sein Roller ist im klassischen 80er- / 90er-Design gehalten, also gern mit knallharter GFK-Sitzbank, GFK-Spoiler unter dem Trittbrett. Die Lackierung orientiert sich oft an den Markenauftritten populärer Alkoholika, wie z.B. „Glenfiddich“ und „Beck’s“. Dass „Scooterboys“ mal eine Jugend-Subkultur waren, interessiert ihn nicht. Er erklärt es kurzerhand zum „Way of Life“ und bleibt damit für immer jugendlich. Er wird vermutlich in seinen Doc Martens und der obligatorischen Bomberjacke begraben.

Der VCVDler

Der VCVDler tritt gern in Gruppen zu drei bis fünf Personen auf. Direkt bei der Anfahrt erkennt man die Gruppe. Gepflegte Roller, auch gern mal mit einer Hexagon oder Cosa dazwischen. Auffällig wird ein Banner mit dem Namen des Clubs am Beinschild getragen, so dass für jedermann erkennbar ist, zu welchem Club man gehört. Am Roller hat man gern einen übergroßen Windschild und einen Koffer montiert. Selbstverständlich fährt der VCVDler nicht in lässiger Kleidung zum Treffen. Er kommt in einer Schutzausstattung, die ihn für absolut jeden Fall gerüstet aussehen lässt. Unter der Schutzkleidung trägt man das Club-Polo, auf dem hinten das Club-Logo gestickt ist. Auf der Vorderseite wiederholt sich das Logo als kleine Bruststickerei, verziert mit dem Namen des Mitglieds. Die Höhepunkte eines Treffens sind das Gala-Dinner und die gemeinsame Ausfahrt. Für den VCVDler ist es allerdings von großer Bedeutung, dass im Corso die Regeln, wie „korrekter Abstand“, „langsame Geschwindigkeit“, „nicht überholen“ und „Anhalten an roten Ampeln“ eingehalten werden. Gern werden vom VCVDler tagsüber in der Gruppe touristisch interessante Ziele angesteuert, die den eigenen Horizont erweitern. Selbstverständlich schläft er bei einem Treffen nicht im Zelt, sondern hat sich in direkter Nähe zum Treffen in einer kleinen Pension inklusive Frühstück eingebucht. Die Luxusvariante dieser Spezies stellt der VCVDler mit Wohnmobil dar, auf dem sich hinten ein Träger befindet, auf dem die Vespa zum Treffen transportiert wird.

Der Eisdielenfahrer

Er hat keine Ahnung von Technik, weiß nichts über die bewegte Vespageschichte, findet es aber einfach schick an einem Sommertag in der Eisdiele stilgerecht mit einer alten Vespa vorzufahren. Weil er zwei linke Hände hat, hat er seinen Roller „restauriert“ für teures Geld im Internet gekauft. Meist ist es eine V50, weil er keinen Motorradführerschein hat und größere Modelle daher für ihn ausfallen. Besonders beliebt ist beim Eisdielenfahrer die Rollerfarbe „weiß“, kombiniert mit einer braunen oder notfalls auch roten Sitzbank. Er sieht seine Vespa als eine Verlängerung seiner allgemeinen Coolness und betrachtet den Roller als modisches Accessoire. Der Helm ist natürlich ein Jethelm von Vespa, die Kleidung orientiert sich am Stil der Popper. Der dünne Lacoste-Pullover darf gern um den Hals geknotet werden. Slipper ohne Socken sind obligatorisch. Mehr als 10 km am Stück ist er auf seiner Vespa noch nie gefahren, für längere Strecken nimmt er dann doch lieber sein Mini-Cabrio neuesten Baujahrs.

Der Schrauber

Er lebt sein Leben in seiner Garage. Die Finger schwarz vom Öl, eingefressen in Nagelhaut und Hautfalten. Er hat immer eine Lösung parat und ist der beste Freund aller ahnungslosen Vespisti. Schweigsam geht er seiner Arbeit in der Werkstatt nach und hilft jedem, der ihm entsprechenden Respekt für sein Fachwissen zollt. Er selbst besitzt entweder keine Vespa oder getreu dem Motto „Der Schuster trägt die ältesten Schuhe“ eine alte „Ratte“, die gerade noch im Aufbau ist, aber in der Regel nie fertig wird. Sein Gebrauchtteilelager ist riesig. Er hat noch nie etwas weggeworfen, sondern alles in seinem Reich verstaut. „Warte mal, ich hab da glaub ich noch…“ ist eine Antwort, die er immer parat hat, wenn über ein benötigtes Teil gesprochen wird. Er beginnt zu kramen und kurze Zeit später hat er das gesuchte Teil in der Hand. Verstaubt, verdreckt, verölt, aber er hat es. Auf ein Treffen oder zur Teilnahme an einer Ausfahrt kann man ihn nur schwerlich bewegen, er hat schließlich noch zu tun.

Der Tuner

Im Gegensatz zum Schrauber sieht seine Vespa aus wie geleckt. Frisch lackiert und nur mit den feinsten Produkten ausgestattet. Geld spielt keine Rolle, wenn es darum geht, noch mehr Leistung auf dem kleinen Motor zu holen. Standardkomponenten sind ihm ein Graus. Zum Standard zählt für ihn auch das, was für andere High-End ist. Ein verbauter Malossi- oder ein Polini-Zylinder, sind für ihn ein Zeichen, dass ein „Möchtegern“ am Werk ist. Er selbst setzt auf Komponenten wie Mikuni und Falc, CNC-gefräste Motorengehäuse, Schnellgasgriff, Resonanzauspuff und selbstverständlich Veredelung aus eigener Hand. Kein Teil, das er gekauft hat, ist unter seinen Fittichen unbearbeitet geblieben. Kein Teil ist gut genug, als dass es der Tuner in seinen Schatz unbearbeitet einbauen könnte. Sein Fahrzeug ist extrem leistungsfähig, allerdings stellt er diese Leistungsfähigkeit nur zur Schau, wenn der Anlass stimmt. Fachkundiges Publikum ist für ihn ein Muss, damit das Gegenüber auch genug Bewunderung zeigen kann. Customshows oder  Quartermile-Rennen sind seine Reviere. Oft ist der Tuner geschieden, oder lebt schon immer allein. Die Gründe dafür darf sich jeder selbst ausmalen.

Der Originalfahrer

Er hütet sein Schatz, poliert ihn und fährt ihn nicht bei Regen. Er verabscheut Tuning als „unnötigen Blödsinn“ und lehnt jede technische Verbesserung ab. Ob er aus Angst vor einem möglichen Wertverfall seines Fahrzeugs, aus Sorge um die Konformität zur StVZO oder aus Gründen der Liebhaberei zum echten Original handelt, ist nicht geklärt. Gespräche über Steuerzeiten, Bedüsungen und Größe der Überströmer kommentiert er mit einem gelangweilten Gesichtsausdruck oder einem Augenrollen. Sprüche wie: „Ihr mit Euren Tuning… Bringt doch eh alles nix“ oder “ Der einzige, der hier pannenfrei fährt, bin ich.“ sind typische Kommentare im Rahmen von Benzingesprächen. Selbstverständlich greift er trotzdem auf die fachliche Expertise seiner Tuningfreunde zurück, wenn er ein Problem hat. Zur Sache kann er dann wenig beitragen. In der Regel beschränken sich seine Kommentare bei der gemeinsamen Reparatur seines Gefährts auf „Ist das neue Teil auch original?“, „Was ist, wenn die Polizei das sieht?“ oder „Nicht, dass mit dem neuen Teil was kaputt geht“. Tatsächlich ist der Originalfahrer aber auch der Cleverste unter den Rollerfreunden. Er ist der einzige, dessen Roller beim Verkauf durch seine Erben Höchstpreise erzielen wird. Er ist schließlich im Originalzustand!

Der Oldiefan

Vespatreffen sind ihm fremd. Er ist kein Markenfetischist, sondern betrachtet seinen alten Roller schlichtweg als „Oldtimer“. Statt sich mit anderen Vespafreunden zu umgeben, fährt er mit seiner alten Vespa zum Traktorentreffen und stellt sie dort als echten italienischen Oldtimer vor, den er in einer Reihe mit NSU Quickly, Heinckel und Rixe sieht. Er restauriert seine Fahrzeuge gern nach eigenem Gusto und legt keinen Wert auf eine Aufarbeitung im Originalstil. Da werden Weißwandreifen auf die PX gebaut, Chromzierleisten für Kotflügel und Seitenbacken angebracht, die Lackierung zweifarbig gestaltet und Zierstreifen mit dem Pinsel auf den Roller gemalt. Hauptsache es sieht alt aus. Trifft er mit einem Vespa-Experten zusammen, will er diesem sein Gefährt freudig vorstellen, um Lob für seine Restaurierung einzuheimsen. Dass der Vespa-Experte beim Anblick des Gefährts am Rande eines Nervenzusammenbruchs steht, weil der Oldiefan den Roller „verschlimmbessert“ hat, kann er nicht nachvollziehen. Wieso es nicht sachgerecht ist, wenn das Trittblech gespachtelt wird oder wenn Teile verschiedener Rollermodelle miteinander vermischt werden und wenn die Farbe mit einem dicken Pinsel aufgetragen wird, kann er gar nicht verstehen. Er wird nach diesem Treffen zu seinen Traktorfreunden gehen und sich über diesen ignoranten Vespaschnösel beschweren.

Der Alt-Mod

Sein Auftritt ist immer stilecht. Der grüne Parka über dem geschniegelten Pullunder und eine Bügelfalte in der Jeans gehören zu seinem snobistischen Auftritt. Bei ganz besonderen Anlässen wagt er es sogar, sich in einen alten Anzug zu werfen. Seine Vespa sieht aus wie ein Weihnachtsbaum. Jeder im Zubehörhandel erhältliche Chromgepäckträger ist montiert und dient als Halterung für Lampen, Tröten, Spiegel und Flaggen. Die vespatypische Wendigkeit im Stadtverkehr hat er verloren, da er mittlerweile so viele Anbauteile montiert hat, dass sein Roller die Breite eines Kleinwagens erreicht hat. Am Flyscreen prangt sein Name in großen Lettern. Sollte er bescheidener sein, tun es auch die Initialen. Er hasst es, von Fremden darauf angesprochen zu werden, dass sein Roller „aussieht wie Quadrophenia“. Sollte ihn ein Ungläubiger darauf ansprechen, fährt er sich durch sein gut frisiertes, etwas zu langes Haupthaar und antwortet: „Mod sein ist ganz was anderes. Kann ich dir aber nicht so schnell erklären“ und geht seines Weges. Der Alt-Mod ist mittlerweile fast ausgestorben. Im Inneren hofft er auf eine dritte Mod-Welle, aber nur unter der Voraussetzung, dass von ihr nur coole Menschen erfasst werden. Er will sich in England begraben lassen. Aber nicht in Brighton. Das ist dann doch zu offensichtlich „Quadrophenia“

Der Lambrettafahrer

Richtig! Der Lambrettafahrer ist gar kein Vespafahrer. Trotzdem treibt er sich ständig mit seiner Lambretta auf Vespa-Veranstaltungen herum. Wieso er das macht ist ganz einfach: Er hat selbst mindestens eine Vespa zu Hause und ist jahrelang damit gefahren. Mittlerweile nimmt er zu den Treffen jedoch lieber seine Lambretta mit, um damit seine eigene vermeintliche Überlegenheit zu demonstrieren. Technisch anspruchsvoller, optisch schöner und insgesamt einfach besser erscheint ihm seine Lambretta. Natürlich platzt er mit dieser Auffassung nicht heraus, hält sich aber gern und häufig in der Nähe seines Fahrzeugs auf, um endlich darauf angesprochen zu werden. Auf die Frage „Ist das deine?“ gerät er in einen Redefluss über die völlig andere Technik der Lambretta, die Herausforderungen beim Schrauben und darüber, dass die Lambretta in Groß Britannien ein ganz anderes Ansehen genießt. Der Vespafahrer hört gern zu, schließlich ist ihm bewusst, dass der Lambrettafahrer nur wenige Gleichgesinnte in seiner Umgebung hat und er im Herzen eigentlich doch Vespafahrer ist.

Der PX-Fetischist

„PX, sonst nix“ ist sein Motto. Vorn auf seiner Kutte prangt der Aufnäher „PX – Better than your scooter“. Und das glaubt er auch wirklich. Wer an Smallframe-Modellen schraubt, macht das nur weil er von der PX keine Ahnung hat. „Die PX ist der letzte echte Schaltroller“ antwortet er, wenn er auf eine Cosa angesprochen wird. Die Cosa ist für ihn sowieso fast das größere Hassobjekt. „Alte-Leute-Roller“ „Völliges Fehldesign“ sind Attribute, die er dem PX-Nachfolger zuschreibt. Es gibt nur eine Vespa, die er mehr hasst, als die Cosa und das ist die GTS. Wider besseren Wissens betitelt er die GTS als Plastikroller für Leute, die zu blöd zum Schalten sind. Da inzwischen aber schon viele seiner Freunde auch eine GTS in der Garage stehen haben, hat er ganz im Inneren doch schon mit dem Gedanken gespielt, sich eine GTS zuzulegen. Sein Plan: „Kaufen, niemandem erzählen und immer dann, wenn die anderen nicht in der Nähe sind, heimlich eine Runde fahren“

Der Internetrollerfahrer

„Ganz viel Meinung, aber wenig Ahnung“, so kann man in wenigen Worten den Internetrollerfahrer beschreiben. Sein Revier ist das Netz. Seine Aufgabe ist es anderen zu zeigen, dass er mehr Ahnung hat, als alle anderen. Was allerdings niemand wissen darf: Sein Wissen ist theoretisch. Das letzte mal, dass ihn jemand auf einem Treffen, einem Clubabend oder einer Ausfahrt gesehen hat, ist schon Jahre her. Man erinnert sich noch an ihn: Als „alten Recken“, der früher gern geschraubt hat. Seine Vespa hat er verkauft, als zum ersten mal im Leben das Geld knapp wurde. Als das Internet groß wurde, hat er dann seine heutige Wirkungsstätte innerhalb der Vespaszene gefunden: Das Netz. Es gibt keinen besseren Platz für den Internetrollerfahrer. Hier kann er jeden Tag anderen erzählen, dass sie keine Ahnung haben. Er hat eine Liste mit häufig gebrauchten Kommentaren, die er dann per Copy & Paste unter die Beiträge anderer setzt. Ganz oben auf der Liste: „Wie wäre es, wenn du vorher mal die Suchfunktion benutzt, bevor du hier fragst!“; „Viel zu teuer, der Roller ist nicht mehr als 300,-€ wert“; „Mondpreis“; „Mit dem Setup wird das nix“, „Für was ihr ein Geld rausschmeißt, tztztzzzz“. Bis vor ein paar Jahren hat er sich gern im German-Scooter-Forum als Dauerkommentator betätigt. Heute ist er dann doch lieber in nahezu allen einschlägigen Gruppen bei Facebook tätig, denn dort gibt es ja doch irgendwie noch mehr „Opfer“. Seine selbstgefälligen Kommentare wird er erst dann unterlassen, wenn er ein neues Hobby gefunden hat, in dem er, zumindest in seiner eigenen Vorstellung, der Schlaueste sein kann. Das Beste am Internetrollerfahrer: Wenn er diesen Text liest, erkennt er sich, aber wird es nie zugeben!

Der Dauerschrauber

Läuft der Roller nicht, wird er zum Laufen gebracht; läuft der Roller, läuft er nicht gut genug. Diese beiden Sätze beschreiben den „Ewigen Kreislauf“ des Dauerschraubers. Am Ende des einen Zustands schließt sich der andere Zustand an. Dass der Roller fertig ist, ist für den Dauerschrauber ein unerträglicher Zustand. Eine Kleinigkeit kann man aus seiner Sicht immer verbessern. In tagelanger akribischer Kleinstarbeit wird „verbessert“ was das Zeug hält, bis wieder nichts mehr geht. In diesen Moment läuft der Dauerschrauber zur Höchstform auf. Die Garage wird zum Wohnzimmer, statt Kaffee und Kuchen am Esstisch gibt es Kippen und Bier an der Werkbank. Er gibt nicht eher auf, bis alles wieder funktioniert. Dass er diesen Zustand nicht lang hinnehmen kann, liegt in der Natur des Dauerschraubers. Er verbessert weiter, bis nichts mehr geht. Der „Ewige Kreislauf“ beginnt von vorn. Ein sympathischer Typ, denn er steckt immer im Thema!

Der GTSler

Haus gebaut? „Hab ich!“ Kinder aus dem Haus? „Endlich!“ Vermeintlich zu alt zum Motorradfahren? „Schon lange!“ Der zweite Bausparvertrag gerade ausgezahlt? „Jo! Das Geld ist über“ Nochmal schön auf Dolce Vita machen? „Aber hallo!“

Der fesche GTS-Fahrer ist Ü-40 und hat genug Geld übrig, um seine massig vorhandene Freizeit angenehm zu gestalten. Er ist abends, als er mit seiner Ehefrau vorm TV saß, auf die Idee gekommen, dass das Leben nicht zu Ende sein kann und hat zuerst überlegt, sich eine Harley zu kaufen. Da er sich so ein schweres Motorrad aber nicht mehr zutraut und es im letzten Urlaub auf Malle doch so schön war, Roller zu fahren, kauft er sich eine GTS. Selbstverständlich wird der neue Roller nur bei gutem Wetter gefahren und nach jeder Ausfahrt geputzt. Bei jeder Ausfahrt wird ständig angehalten und fleißig fotografiert um den anderen bei Facebook zu zeigen, was man für ein toller freiheitsliebender Hecht ist. Der Vespahändler verdient sich an ihm eine goldene Nase, denn der GTSler braucht jede Art von Zubehör, die er ergattern kann. Vom beheizten Griff (Gicht in den Fingern), über vergrösserte Fussraste für die Ehefrau, die sonst nicht mitfahren will, bis hin zum Flyscreen, damit der Wind nicht so stark von vorn pustet, hat er alles montiert, was der Katalog so hergibt. Dass er mit seiner GTS keine Beachtung beim Rest der Vespaszene findet und dass ihn Motorradfahrer nicht grüßen, kann er so gar nicht verstehen und lässt sich darüber, innerhalb der Diskussion über die beste Lackpolitur, intensiv in den einschlägigen Vespagruppen bei Facebook aus.

Der Pragmatiker

Dass er Vespa fährt, ist reiner Zufall. Seine Vespa hat er aus den Kleinanzeigen der örtlichen Tageszeitung. War reiner Zufall, dass es eine Vespa geworden ist. Für ihn hätte es durchaus ein Modell irgendeiner anderen Marke sein können. Hauptsache zuverlässig. Er fährt mit seinem Roller jeden Tag bei Wind und Wetter dick eingepackt unter einer Kniedecke zur Arbeit. Damit er auch vernünftig gesehen wird, trägt er eine neongelbe Warnweste mit reflektierenden Streifen über seiner Arbeitsjacke, die er schon zu Hause angezogen hat. Von Vespafreunden auf sein Gefährt angesprochen, zeigt er sich nur erstaunt darüber, dass so etwas alltägliches wie ein einfaches Fortbewegungsmittel so euphorisch thematisiert werden kann. Für ihn ist eine Vespa nur ein Fahrzeug, das ihn zuverlässig von A nach B bringt. Nicht mehr nicht weniger. PUNKT!

Der Vespa-Blogger

Ausschließlich von Dollarzeichen in den Augen gelenkt, maßt es sich der Vespa-Blogger an, andere Menschen zu sortieren und charakterisieren. Er fühlt sich berufen, sein gefährliches Halbwissen in alle Welt zu streuen und damit unbedarfte Neulinge ins Unglück zu stürzen, indem er Ihnen Tipps gibt, die er sich selbst aus dubiosen Quellen angelesen hat. Fragt man ihn wenige Tage nach der Veröffentlichung eines technischen Tipps, ob er einem helfen kann, zeigt sich, dass er ein Gedächtnis wie ein Sieb hat. Er steht da wie ein Laie, der er ohne seine Fachbücher ja auch ist.

 

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Mit der Vespa auf Rollsplitt gestürzt. Selbst Schuld?

Rollsplitt? Gas EXTREM runter!

Ich glaube jeder, der mit einem Zweirad unterwegs ist, ist sich der erhöhten Gefahr eines Unfalls, der er sich aussetzt bewusst. Zwei statt vier Reifen und eine fehlende Karosse sind der Grund, warum es wesentlich wahrscheinlicher ist, sich auf einem Motorrad oder einem Motorroller schlimmer zu verletzen als in einem Auto.

Neben einem Zusammenstoß mit einem Auto ist ein Sturz die größte Befürchtung, die man als Zweiradfahrer hat. Nach über 25 Jahren Motorrad- und Vespa-Erfahrung legt man zuweilen, wenn man bislang keinen Unfall hatte, eine gewisse Arroganz gegenüber der Gefahr an den Tag. Weil mir bisher noch nichts passiert ist, hielt ich mich für einen guten und vorausschauenden Fahrer, der hauptsächlich Dank der eigenen Fähigkeiten noch keinen Unfall erlitten hat.

Diese Arroganz wird jedoch sehr schnell durch das Bewusstsein, dass jeder schneller stürzen kann, als einem lieb ist, abgelöst, wenn es denn einmal passiert ist.

Die konkrete Situation war, dass ich mit vier Freunden, bepackt mit Zelt und allem was man so fürs Camping braucht, ca. 220 km zu einem Rollertreffen gefahren bin. Das Wetter war gut, die Reifen neu, der Roller absolut in Ordnung. In einer Kurve innerhalb einer geschlossenen Ortschaft wollte ich, als erster in der Truppe, nach rechts in eine Seitenstraße abbiegen und lag schneller als ich denken konnte, unter meinem Roller.

In der Kurve befand sich zentimeterhoch Rollsplitt. Beim Abbiegen geriet das Vorderrad ins Rutschen, so dass ich bei leichter Schräglage sofort gestürzt bin. Mein Glück war, dass kein Verkehr in der Straße war, denn durch den Sturz bin ich auf die Gegenfahrbahn gerutscht.

Ergebnis des Sturzes:

  • Diverse Schürfwunden an Hüfte und Beinen
  • Prellungen an Hand und Arm
  • Über eine Woche arbeitsunfähig
  • Verkratzter Roller (Spiegel, Rahmen, Bremshebel usw.)
  • Zerstörte Kleidung
  • Beschädigtes Gepäck

Beschädigungen durch Sturz

Der erfahrene Zweiradfahrer (mich eingeschlossen) neigt dazu zu glauben, dass man in einer Situation, in der der Roller ins Rutschen gerät, noch schnell reagieren kann. Inzwischen weiß ich es besser, denn das geht definitiv nicht. Man bemerkt keinen Sturz und auch nicht den Verlust der Bodenhaftung. Man merkt nur, dass man plötzlich liegt.

Natürlich bin ich nicht zum ersten mal über Rollsplitt gefahren. Ich habe großen Respekt vor diesen kleinen Steinchen auf der Fahrbahn. Schon beim Geradeausfahren kann Rollsplitt einen ins Schlingern bringen. In der Regel findet man jedoch entsprechende Warnschilder vor einer Gefahrenstelle und sieht schon im Vorfeld, dass Split auf der Fahrbahn liegt.

Und da liegt der Hase im Pfeffer. Bei einer ordentlichen Beschilderung trifft die Gemeinde oder die Stadt keine Schuld, denn der Motorradfahrer wurde auf die Gefahr hingewiesen und muss seine Geschwindigkeit der Situation anpassen. Das heißt unter Umständen, dass er Schrittgeschwindigkeit oder langsamer fahren muss. Hierzu wurden schon verschiedene Urteile gefällt, die sich im Internet nachlesen lassen. Es ist in aller Regel schwer, die Schuld bei der Gemeinde oder der Stadt zu suchen, denn meistens sind Gefahrenstellen vernünftig beschildert. Leider gibt es immer wieder Ausnahmen, bei denen Bauarbeiter offenbar nicht in der Lage oder nicht Willens sind, Schilder so aufzubauen, dass man sie an der richtigen Stelle auch sieht, um sich auf die Gefahr einzustellen.

Sturz auf Rollsplitt: Kein Einzelfall

Aus meiner Sicht war an meinem Unfallort keine den Vorschriften entsprechende Beschilderung vorhanden, so dass aktuell geprüft wird, ob die Gemeinde, bzw. das beauftragte Unternehmen korrekt gehandelt hat.

Letztendlich soll dieser Bericht eines bewirken, nämlich dass Ihr gut auf Euch aufpasst und Euch trotz allen Spaßes und der Sorglosigkeit und der Lebensfreude, die das Fahren mit dem besten Zweirad der Welt, nämlich der Vespa, verursacht, immer darüber bewusst seid, dass das Zweiradfahren immer mit großen Gefahren verbunden ist und dass die Konsequenzen eines Unfalls nicht immer so relativ glimpflich sind, wie in meinem Falle.

Daher denkt einfach mal über folgende Punkte nach:

  • Ist ein Integralhelm vielleicht doch besser als ein Jethelm?
  • Gibt es eventuell doch ganz schicke Schutzbekleidung, die man auch auf der Vespa gern trägt, ohne gleich auszusehen, als würde man auf ein Motorradrennen gehen wollen?
  • Reichen Flip-Flops aus oder würde festes Schuhwerk einigen Verletzungen entgegen wirken?
  • Wenn man einen Roller für teures Geld, in den man Arbeit und Liebe gesteckt hat, fährt, müsste man doch ein paar Euro für eine Vollkaskoversicherung übrig haben?
  • Wäre es vielleicht ganz angenehm, eine Verkehrsrechtsschutzversicherung zu haben, um die eigenen Ansprüche durchzusetzen?

In diesem Sinne, Euch allen eine gute und sichere Fahrt, ob mit einer klassischen Vespa, GTS und Co oder jedem anderen Zweirad!

 

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Die neue Vespa Elettrica

Die blaue Elemente deuten auf den E-Antrieb hin

Aktuell teilt sich die Vespaszene in mindestens zwei Gruppen: Die der klassischen Schaltrollerfahrer und die der Freunde der modernen Automatik-Vespa. Demnächst wird es mindestens noch eine dritte Gruppe geben, nämlich die der Elektro-Vespa-Fahrer.  Aller Voraussicht nach handelt es sich dabei um die Gruppe der Zukunft, denn Verbrennermotoren werden über kurz oder lang aussterben.

Generell kann ich nicht noch eine Vespa gebrauchen, mit 5 Fahrzeugen in der Garage komme ich sowieso nicht dazu, alle gleichmäßig viel zu fahren. Aber die Elettrica ist da schon was anderes, denn es ist eben die dritte Vespa-Gattung und damit interessant.

Eigentlich sollte die Elettrica schon Mitte 2017 auf den Markt kommen, jetzt gibt es die neue Ankündigung, dass Piaggio die erste elektrisch angetriebene Vespa im Oktober 2018 auf den Markt bringen will. Wie immer ist Vespa natürlich bei den Preisen ganz oben zu suchen. Gerüchteweise soll der Preis für das neue Modell zwischen 4000,- und 6000,- Euro liegen. Die aktuellen Verbrennermodelle kosten allerdings ähnlich viel Geld und verkaufen sich trotzdem. Für Piaggio die Bestätigung, dass die Fans bereit sind, für den Kult aus Pontedera mehr Geld auf den Tisch zu legen, als für chinesische Schlichtware.

Das Aussehen orientiert sich an den aktuellen 50er-Modellen

Schade ist, dass das neue Modell im Bereich der 50er angesiedelt ist. Damit dürfte die Elettrica in Deutschland eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h erreichen. Die angeblichen 5 PS sind nun auch nicht gerade das, was die Fahrer von GTS und PX zum Umstieg bewegen wird. Die 50er-Zielgruppe ist groß, echte Vespa-Fanatiker, die in der Regel etwas mehr Leistung wollen, schauen also erst einmal in die Röhre.

Der Akku soll fest verbaut sein. Aus meiner Sicht überhaupt kein Problem. Wer sich noch an die Diskussionen erinnert, als das iPhone ohne Wechselakku auf den Markt kam, der weiß, dass der fest verbaute Akku heute Standard ist und keine Probleme bereitet. Eine Ladezeit von etwa 4 Stunden ist vertretbar. Über Nacht ist der Akku dann auf jeden Fall wieder voll.

Die reine Akku-Variante soll eine Reichweite von 100 km haben und damit über ausreichend Radius für den Weg zur Arbeit und ein paar Erledigung haben. Interessant ist die „Hybrid-Variante“, in der neben dem Elektromotor ein Benziner verbaut ist, der den Akku lädt und für ein Reichweitenplus von 100 Kilometern sorgt.

Ich denke, dass die Zeit für eine Elektrovespa reif ist und dass wir gespannt sein dürfen auf zukünftige größere Modelle auf GTS-Niveau. Erst ab diesem Zeitpunkt dürfte das Gefährt in der Szene ankommen und auf den ersten Treffen gesichtet werden. Bis dahin schraube ich weiter an V50, PK, PX und GTS!

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Das beste Navi für die Vespa ist kostenlos

Kurviger.de mit vielen Optionen

Es gibt kaum ein zweites Fahrzeug bei dem der Spruch „Der Weg ist das Ziel“ so wahr ist, wie bei der Vespa. Für die meisten Vespisti ist eine Fahrt auf dem Roller mehr als ein einfaches „Von-A-nach-B“. Vielmehr möchte man genießen, man möchte Landschaft sehen und Wege befahren, die man noch nicht kennt.

Neues zu entdecken und echte Nebenstrecken zu fahren erfordert in der Regel gute Ortskenntnisse, die man meistens nicht hat, wenn man sich auf Entdeckungsreise macht.

Hier können Navigationssysteme einen wertvollen Dienst leisten. Allerdings bieten die meisten Navis zu wenig Optionen um den Traum von der schönen Strecke zu verwirklichen.

Die einfache Handy-Navigation mit googlemaps oder Applemaps bringt einen zwar zuverlässig zum Ziel, nur legen diese Apps keinen Wert auf die Schönheit der Strecke.

Auch spezielle Roller-Navis, wie das TomTom Vio, das ich in der Vergangenheit bereits getestet habe, haben bezüglich der Option „Schöne Strecke“ ihre Mängel.

Besser sind da spezielle Motorradnavis, wie zum Beispiel die TomTom-Rider-Serie, von denen ich eines im Urlaub testen konnte. Bei diesen Geräten ist der hohe Preis das größte Manko. Wer ab und zu mal eine nette Tour fahren will, ist nicht immer bereit, derart viel Geld für solch ein Navi auszugeben.

Tatsächlich geht es aber auch viel preiswerter und auch besser: Im letzten Jahr habe ich die Seite www.kurviger.de kennengelernt und habe sie seitdem mit der dazugehörigen App diverse Male genutzt. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: In fast allen Punkten sticht www.kurviger.de die Konkurrenz aus. Ich bin von den Funktionen und der Streckenführung wirklich begeistert. Aber eins nach dem anderen:

Routenplanung auf der Website

Beginnen sollte man auf der Website von kurviger. Es stehen zwei grundsätzliche Optionen zur Verfügung: Die Routenplanung und die Rundtour. Bei der Routenplanung nutzt man eine ganz normale Navigation um von A nach B zu kommen. Die Rundtour generiert nach Vorgabe des Nutzers eine Tour in eine bestimmte Himmelsrichtung.

Die namensgebende Option der Website sind die vier Schaltflächen, mit denen man wählen kann, wie kurvig die Strecke sein soll. Von „keine Kurven“ bis „Extra kurvig mit großen Umwegen“ gibt es einzelne Abstufungen, die auf das individuelle Bedürfnis nach Schräglage eingehen.

Interessant wird es, wenn man bei den „zusätzlichen Optionen“ aktiv wird. Mit jedem Haken passt sich die Strecke an die eigenen Bedürfnisse an. Spätestens, wenn man „vermeide Schnellstraßen“ und „vermeide Hauptstraßen“ angehakt hat, führt die Strecke über jede Menge Nebenstraßen. Etwas mißverständlich ist die Option „Schnellstraßen vermeiden“, denn hiermit sind anscheinend Autobahnen gemeint.

Nachdem man nun die verschiedenen Optionen ausgewählt hat, kann man die Strecke durch Ziehen der einzelnen Punkte weiter anpassen. Interessant ist dies, wenn man eine weitere Tour fährt und zwischendurch auf Tankstellen angewiesen ist. Da kurviger.de bei der Option „vermeide Hauptstraßen“ wirklich konsequent an allen größeren Straßen vorbei navigiert, wird man auf seiner Strecke in der Regel weder eine Tankstelle, noch andere Hinweise auf den Fortschritt der Zivilisation sehen. Es macht also Sinn, nach einer gewissen Fahrtzeit eine Tankstelle in die Strecke einzubauen.

Wem die Richtung der Roundtour nicht gefällt, kann die Strecke über den Button „Route umdrehen“, so gestalten, dass man in die „richtige“ Richtung fährt.

Kurviger.de bietet noch einige andere Funktionen, die von Interesse sind. Verschiedene Zeitschriften und Portale, wie www.motorradstrassen.de und www.motorradfreizeit.de veröffentlichen Touren, die mit einem Tourcode versehen sind, der sich ganz einfach in das entsprechende Feld eingeben lässt. Die Importfunktion lässt .gpx, .itn, .mpjs und .kurviger Dateien zu, so dass die wichtigsten Formate abgedeckt sind.

 

Leichte Übertragung aufs Smartphone

Ansicht in der App

Nach Abschluss der Planungen kann man die Strecke kinderleicht auf das Mobiltelefon oder auf andere Navis, die .gpx oder .kml Dateien unterstützen, übertragen. Hierzu wählt man die Exportfunktion und lädt die Datei runter, um sie dann in das Gerät der Wahl zu importieren.

Achtung! Ein einfaches Senden des Browser-Links an ein Mobiltelefon funktioniert nicht. Auf Mobiltelefonen lässt sich die Website nämlich nur unzureichend darstellen. Eine vernünftige Bedienung von kurviger.de ist an Mobilgeräten nicht möglich. Man benötigt auf jeden Fall eine App.

Für das iPhone ist dies die Scenic-App, für Androidgeräte gibt es die kurviger-App. Der „Teilen“-Button zum Übertragen auf das Smartphone befindet sich rechts neben dem roten „Löschen“-Button. Man bekommt einen QR-Code, den man einfach mit einem QR-Scanner abfotografiert, schon hat man die Tour im Gerät und ist abfahrbereit.

Die kurviger-app selbst lässt sich ebenso einfach wie die website bedienen. Eventuelle Änderungen können auch hier noch vorgenommen werden.

Empfehlenswert ist es, die Pro-Variante der App zu laden. Der Preis von rund 10,- Euro ist mehr als gerechtfertigt und eine Top-Investition. Die Karten können auf das Telefon runter geladen werden, so dass hierfür unterwegs kein Datenvolumen verbraucht werden muss. Auch die Strecke wird nach dem Import oder der ersten Online-Berechnung offline angezeigt.

Die Routenberechnung der Pro-Version ist nur online möglich, so dass man eine funktionierende Internetverbindung benötigt.

Dieser Punkt wird in den Bewertungen der App teilweise kritisiert, weil viele ein altes Telefon als reines Navi nutzen und keine SIM-Karte einlegen wollen. Das „Problem“ lässt sich allerdings sehr leicht beheben, indem man an einem anderen Telefon, das vermutlich jeder von Euch besitzt, einen persönlichen Hotspot einrichtet, und das Navi-Telefon in das WLAN des anderen Telefons hängt. Schon hat man die benötigte Verbindung und kann auch unterwegs eine neue Strecke berechnen lassen.

Echtzeit-Dateien zur Verkehrssituation verwendet die App nicht. Für mich stellt das überhaupt kein Problem dar, denn im Falle einer Umleitung folgt man dieser einfach und das Telefon berechnet eine neue Route. Staus sollten für eine Vespa sowieso kein Problem darstellen, von daher ist eine Stauwarnung für mich nicht sonderlich von Bedeutung.

Große Touren mit Aha-Effekt

Ich bin inzwischen zwei größere Touren mit der App gefahren. Die erste zog sich über 1200 km, die zweite über 550 km. Beide Strecken bin ich zuvor schon einmal mit googlemaps, bzw. nach Schildern gefahren. Der Unterschied zwischen der klassischen Navigation und der kurviger-app ist phänomenal. Ich habe die Optionen „Schnellstraßen vermeiden“ , „Hauptstraßen vermeiden“ und „extra kurvig“ gewählt und wurde mit den interessantesten Strassen und Wegen belohnt. Die App hat mich wirklich konsequent von jeder größeren Straße gezogen. Die Route führte dann über Felder, kleine Straßen und Ortschaften, die man normalerweise nicht sieht. Natürlich konnte man teilweise nur 50 oder 60 fahren, aber das macht rein gar nichts, die Aussichten und Erfahrungen auf diesen Wegen sind es absolut wert, wesentlich langsamer an das Ziel zu gelangen.

 

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Es macht Sinn, ein altes Handy für die Navigation zu nutzen. Viele dürften ein altes Android-Gerät in der Schublade liegen haben. Notfalls bekommt man geeignete Telefone wie dieses hier, das ich auch selbst für die Navigation benutze, recht preiswert im Internet.
  • Wer spontan unterwegs umplanen will, braucht eine SIM-Karte im Gerät oder muss eine Verbindung per Hotspot zu einem anderen Handy aufbauen.
  • Halterungen wie diese ermöglichen eine vernünftige Befestigung an der Vespa
  • Da die Navigation, bzw. das ständig angeschaltete Display viel Strom verbrauchen, sollte man eine Powerbank dabei haben oder über einen entsprechenden USB-Anschluss am Roller verfügen.
  • Ein einfacher Bluetooth-Ohrhörer kann die Navigation erleichtern, allerdings nur dann, wenn man einen Integralhelm fährt. Bei Jethelmen übertönen Windgeräusche die Ansagen in aller Regel. Wichtig ist, dass der Ohrhörer nicht stark aufträgt, da man ansonsten schnell ein Druckgefühl im Ohr bekommt. Empfehlenswert ist dieser Ohrhörer, den ich auch in Verwendung habe.
  • Bei längeren Strecken sollte man schon am Rechner Tankstopps in die Planung einbeziehen. Bei der Option „Hauptstraßen vermeiden“ ist die Wahrscheinlichkeit, zufällig eine Tankstelle zu sehen, äußerst gering.
  • Bei der Fahrt in der Gruppe sollten sich alle darüber bewusst sein, dass die Fahrt bei der Option „Hauptstraßen vermeiden“ durchaus mal über einen befestigten Feldweg gehen kann. Wem das nicht gefällt, sollte diese Option nicht verwenden.

Fazit:

Die Seite kurviger.de und die dazugehörige App sind mit Abstand die beste und preiswerteste Navigationsmöglichkeit für die Vespa. Die vielen Optionen wie „extrem kurvig“ und „Hauptstraßen vermeiden“ sorgen dafür, dass automatisch Strecken erstellt werden, die optimal für eine Vespa-Tour sind. Selbst die Umgebung vor der eigenen Haustür kann man damit neu entdecken, denn die App führt einen über ungewöhnliche Strecken und Straßen, die man im Normalfall nicht wählen würde. Mit der App und der kostenlos zu nutzenden Website erhält jedermann das beste und preiswerteste Navi auf dem Markt.

Besser geht es nicht!

geschrieben von Frank in Allgemein und hat Comment (1)