Franks Vespagarage

Deutschlands größtes Vespa-Video-Blog

Bajaj und LML: Wieviel Vespa steckt wirklich drin?

Bajaj Chetak (c) Wikipedia

Auf dem Gebrauchtmarkt für Vespas findet man immer wieder auch Bajaj- und LML-Modelle. Häufig wird dann die Frage gestellt, ob es sich dabei auch um eine Vespa handelt. Die Frage ist relativ einfach zu beantworten: Jein!

In den 50ern boomte die Vespa und gerade im asiatischen Markt war die Nachfrage extrem hoch. Um diesen Markt vernünftig bedienen zu können, hat Piaggio daraufhin an die indische Firma Bajaj eine Lizenz vergeben, unter der Bajaj bis in die frühen 1970er Jahre für Piaggio unter deren Namen Vespas gebaut hat.

Als diese Lizenz auslief, hörte Bajaj nicht auf, Roller zu bauen. Mit den Originalwerkzeugen von Piaggio baute man unter dem eigenen Namen das Modell Chetak, das sich nur in wenigen Details von der Sprint unterscheidet. In der Anfangszeit wurden noch Restbestände der Piaggio-Originalteile, die man aus Italien importiert hatte, weiter verwendet. Später griff Bajaj ausschließlich auf Eigenproduktionen zurück. Die Chetak wurde für den indischen Markt in verschiedenen Varianten, unter anderem mit einem Viertaktmotor, noch bis in die 2000er Jahre hinein produziert. Modelle neuerer Baujahre findet man in Deutschland wegen der strengen Zulassungsregularien jedoch nur äußerst selten.

LML Star (c) Wikipedia

Sehr ähnlich verlief das Verhältnis zwischen LML und Piaggio. Bereits seit 1959 bis 1974 kooperierte Piaggio mit den Indern und ließ sich von diesen mit Teilen beliefern, die auch in europäischen Vespas Verwendung fanden. Zeitgleich baute LML weiter an Rollern für den indischen Markt. Die späteren LML-Modelle aus den 80ern basierten auf der PX und der PK wurde in Indien unter dem Namen LML Vespa mit verschiedenen Zahlen und Buchstabenzusätzen verkauft.  In Europa fand LML seinen Markt, indem die PX-Modelle unter dem Label „LML Star“ vermarktet wurden. Die LML-Bauteile werden ebenso wie bei Bajaj mit den Piaggio-Maschinen gefertigt, so dass zumindest in den früheren Jahren ein guter Qualitätsstandard gewährleistet war. Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass auch Piaggio selbst unter ihrem eigenen Namen LML-Teile in ihren Rollern verbaut hat. Inzwischen hört man des Öfteren, dass LML-Teile nicht mehr die OEM-Qualität der damaligen Zeit haben sollen.

Vor der Jahrtausendwende trennte sich Piaggio von LML, wobei LML das Recht behielt, die Piaggio-Technik weiter zu nutzen. Insbesondere in der Zeit, als Piaggio die PX nicht gebaut hat, war LML für Liebhaber des klassischen Blechs daher die Alternative wenn es um den Kauf eines Neufahrzeugs ging.

Heutzutage baut Bajaj keine „Vespas“ mehr. LML hat sich mit dem Modell „Star“, das auf der PX basiert, weiterentwickelt und bietet die Star auch als 4-Takt-Modell an.

In den alten Bajaj und den alten LML steckt also sehr viel Vespa. Die allermeisten Teile der alten 2-Takt-Modelle sind zur Vespa kompatibel. Als Alternative zur „echten“ Vespa lohnt sich so ein Fahrzeug allerdings wirklich nur dann, wenn der Preis auch stimmt. Derjenige, der eine Chetak oder Star günstig erstehen kann, sollte daher bedenkenlos zugreifen. Die Frage ob man die inzwischen wieder neu aufgelegte Piaggio PX oder eine LML Star kaufen sollte, darf man sich nicht stellen, denn beide Fahrzeuge sind nach meinem Geschmack inzwischen zu modern, so dass sich der Kauf einer guten gebrauchten PX, die man neu aufbaut, in dem Falle mehr lohnt.

Linktipps:

 

geschrieben von Frank in Allgemein und hat No Comments

Fragen, Anregungen, Ergänzungen?

Daten und Kommentar eingeben
Name
Email
Website
Dein Kommentar

%d Bloggern gefällt das: