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Heiß-Kalt-Methode

Bei festsitzenden Teilen oder beim Einsetzen von Lagern kommt die Heiß-Kalt-Methode zur Anwendung. Der folgende Text erklärt die Methode und zeigt Dir Anwendungsfälle.

Funktionsweise der Heiß-Kalt-Methode

Alle Materialien und insbesondere Metall dehnen sich unter Wärmeeinfluss aus und ziehen sich unter Kälteeinfluss zusammen Dieses physikalische Phänomen kann sicher der Mechaniker bei festsitzenden Teilen zu Nutze machen.

Grundsätzlich wendet man die Methode an, wenn man entweder zwei Teile voneinander trennen oder diese zusammenbauen will. Viele Teile am Roller sind in- oder aufeinander gesteckt und sehr passgenau gearbeitet. Daher ist es oft schwer die Teile zu trennen oder zusammenzubauen.

Grundsätzlich gilt, dass das Teil, dass von einem anderem umschlossenen wird, gekühlt und das umschließende Teil erhitzt werden muss. Zum Erhitzen verwendet man grundsätzlich einen Heißluftföhn oder wenn es schneller gehen soll einen Bunsenbrenner. Für das Abkühlen kann man technisches Kältespray verwenden. Kältesprays aus der Apotheke erfüllen ihren Zweck nicht.

Merke: Je größer der Temperaturunterschied zwischen den beiden Teilen ist, desto größer ist das Spiel zwischen den Teilen und desto leichter lassen sie sich einbauen.

In den folgenden und einigen weiteren Fällen kann man die Heiß-Kalt-Methode anwenden:

Festsitzendes Lüfterrad

Wenn sich das Lüfterrad nicht mit dem Polradabzieher lösen lässt, dann kann man es mit einem Klauenabzieher versuchen. Unterstützend kann man hier die Heiß-Kalt-Methode anwenden, indem man das Lüfterrad rund um den Kurbelwellenstumpf erhitzt und die Kurbelwelle selbst extrem abkühlt. Bei gleichzeitiger Kraftausübung mit dem Klauenabzieher verbessern sich so die Chancen, das Lüfterrad abziehen zu können.

Die Lüfterrad sollte auf ca. 100 Grad gebracht werden. Dies erreicht man indem man ca. 4 bis 5 Minuten mit dem Fön über das Polrad kreist. Ob die Temperatur hoch genug ist, kann man feststellen, indem man einen Tropfen Wasser auf das Teil gibt. Wenn es sofort verdampft ist eine Temperatur von über 100 Grad erreicht.

Die Kurbelwelle kühlt man ab, indem man mehrere Sekunden lang direkt mit dem Kältespray auf den Wellenstumpf sprüht. Man sollte möglichst genau arbeiten, um das zuvor erhitzte Polrad nicht wieder mit abzukühlen.

Ein- und Ausbau von Lagern innerhalb des Motors

Beim Ausbau der Lager, die innerhalb des Motors liegen, hat man in der Regel keine Probleme, da man sie auf geeignete Art und Weise austreiben kann. Es gibt bei vielen Teilehändlern Lagereinzieher, die jedoch relativ teuer in der Anschaffung sind. Daher ist die Heiß-Kalt-Methode beim Einbau von Lagern die meistgewählte Methode bei Hobbyschraubern.

Der Vorteil beim Einbau von Lagern in einen zerlegten Motor ist, dass die Teile allesamt frei zugänglich sind und dass man die Lager nicht zwingend mit Kältespray, sondern auch durch Lagerung in der Tiefkühltruhe runterkühlen kann. Die Temperatur im Eisfach (oft um die -18 Grad Celsius) reicht in den meisten Fällen aus, um das Lager in den erwärmten Sitz zu bekommen. Mit technischem Kältespray ist man auf der sicheren Seite, denn das Spray schafft es, Metallteile auf ca. -40 Grad runter zu kühlen.

Das Gehäuse selbst wird auf 100 Grad und mehr erhitzt. Dies kann man entweder mit besagtem Fön oder Bunsenbrenner machen oder mittels kreativer Methoden wie Erhitzung im Backofen oder Erhitzen auf einem alten Plattenkocher.

Der Einbau des Lagers sollte zügig von statten gehen, da sich die Temperatur der Teile bei Kontakt natürlich schnell angleicht.

Mit etwas Glück „fällt“ ein Lager mit dieser Methode quasi in den Lagersitz hinein, in anderen Fällen muss man trotzdem noch mit einem geeigneten Werkzeug (Altes Lager, Schlaguntersatz, passende Steckschlüsselnuss) auf das Lager schlagen um es einzutreiben.

Merke:

Beim Einbau von Lagern im Motor ist die Heiß-Kalt-Methode unverzichtbar, es sei denn man verfügt über geeignete Lagereinzieher. Zum spontanen Runterkühlen von Lagern und zum Erreichen tieferer Temperaturen eignet sich technisches Kältespray sehr gut.

Aus- und Einbau von Kolbenbolzen

Der Kolbenbolzen sollte grundsätzlich nicht mit einem Hammer ausgetrieben werden. Es besteht die Gefahr, dass das Pleuel oder die Kurbelwelle durch die schlagartig von der Seite ausgeübten Kräfte deformieren und damit beschädigt werden. In verschiedenen anerkannten Anleitungen wird das Austreiben mit einem Hammer trotz dessen als probate Methode dargestellt. Wer jedoch eine teure, ausgewuchtete oder bearbeitet Welle eingebaut hat und auf Nummer sicher gehen will, der verzichtet auf das Austreiben und presst den Kolbenbolzen aus dem Kolben.

Man geht in diesem Falle genauso vor, wie beim Lüfterrad beschrieben. Das heißt, man erwärmt zunächst den Kolben mit einem Heißluftfön und kühlt dann den Kolbenbolzen schlagartig mit Kältespray runter. Anschließend drückt man den Kolbenbolzen am besten mit einer Zange raus.

Die Heiß-Kalt-Methode wirkt immer unterstützend. Man kann sie immer dann anwenden, wenn auf- oder ineinander gesteckte Teile sich nicht von einander lösen wollen oder eingebaut werden müssen. Der Temperaturunterschied allein wird nicht dafür sorgen, dass Teile sich schlagartig lösen, sehr wohl aber dafür, dass sie schon bei geringerer Kraftentfaltung und damit mit weniger Beschädigungsgefahr voneinander gelöst werden können.

Wie sind Deine Erfahrungen mit dieser Methode? Hast Du weitere Anwendungsbeispiele? Dann berichte davon unten im Kommentarfeld!

geschrieben von Frank in Allgemeines PX,Allgemeines Smallframe und hat No Comments

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