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Gebrauchte Vespas billig kaufen (Teil 2)

Wenn Du den ersten Teil dieses Berichts nicht gelesen hast, findest Du ihn HIER

Nachdem ich den Roller grob in Augenschein genommen habe, habe ich sofort das Kernstück dieses Haufen Blechs ausgebaut: Den Motor. Für jeden der einen Roller restaurieren möchte, ist dies die wichtigste Grundregel: Immer erst den Motor fertig machen, bevor man Geld für irgendwelchen Plunder wie Chromteile oder schicke Blinker ausgibt. Denn ohne einen guten Motor macht die schönste Vespa keinen Spaß.

Das Auseinanderbauen des Motors ergab noch einige schöne Überraschungen:

Der Auspuff ist rein optisch ein Originalauspuff. Es lassen sich keine Markierungen daran finden, die auf einen Hersteller hindeuten, auch keine Piaggio-Zeichen. Es gibt ja einige Tuninganlagen, die in der Originaloptik gehalten sind, aber ich denke, der verbaute Auspuff ist Original. Um den Roller vernünftig fahren zu können, muss man diesen Auspuff defitiv tauschen, weil der Malossi seine Kraft so nicht richtig entfalten kann.

Wie so oft hab ich hinten an der Hinterradmutter einen krumm gebogenen Nagel statt eines Splints gefunden. Die Mutter war erstaunlich lose, genauso wie später auch die Kronmutter der Kupplung.

Die Kupplung ist eine Surflex mit 4 Scheiben, also stark genug um die Leistung gut übertragen zu können. Die Kupplungsbeläge waren etwas verklebt, allerdings optisch noch gut in Schuss. Das Aneinanderkleben führe ich auch die lange Standzeit zurück, vorsichtshalber sollten sie aber getauscht werden. Apropos Kupplung: Das Kupplungsritzel hat 23 gerade Zähne und das passende Primärzahnrad 64  Zähne. Sehr erfreulich, denn das wandelt die Kraft des Malossi 139 in Endgeschwindigkeit um. Laut Largeframe-Setup bringen Motoren mit dieser Ausrüstung zwischen 105 und 115 km/h Endgeschwindkeit. Ein amtliches Ergebnis für eine „80er“.

Das Getriebe ist original PX 80. Die Zahnräder machen alle einen guten Eindruck. Das Schaltkreuz ist erwartungsgemäß verschlissen. Zwar nicht stark, aber wer kein neues Schaltkreuz verbaut, wenn er gerade den Motor gespalten hat, der ist selbst Schuld. Hier würde man am falschen Ende sparen.

Die Kurbelwelle hat schon einige Macken am Stumpf. Man sieht ihr an, dass sie mir Gewalt ausgebaut wurde. Meine erste Äusserung im Video, dass die Welle nicht bearbeitet ist, muss ich revidieren, denn auch der Vorbesitzer hat ordentlich daran geflext und gedremelt. Die veränderten Steuerzeiten dürften ein weiteres Leistungsplus ergeben.

Das Gehäuse ist im Bereich der Kurbelwelle ordentlich angegriffen. Man sieht gut, dass schon einmal eine Kurbelwelle längere Zeit Kontakt mit dem Gehäuse hatte. Auch im Bereich des Einlasses sieht man, dass dort leichte Beschädigungen sind. Der Optik nach würde ich auf Späne tippen, die bei der Vergrösserung des Einlasses für Riefen gesorgt habe. Ich hoffe, dass die Welle trotzdem dichtet.

Anhand der Umbauten und der Teile sieht man, dass sich der Vorbesitzer so seine Gedanken gemacht hat und (fast) alle gängigen Maßnahmen getroffen hat um dem Malossi ordentlich Leistung zu entlocken.

Der Zylinder selbst war unbearbeitet. Eigentlich ein kleines Wunder, da alle anderen Teile des Motors, die zur Leistungssteigerung beiträgt schon angetastet waren. Beim Ausbau des Kolbens habe ich es hinbekommen, einen der Kolbenringe quer durch die Werkstatt fliegen zu lassen, so dass dieser wohl für immer verschwunden bleiben wird. Ein Kuriosum beim Zylinder war, dass eine falsche Fußdichtung verbaut war, die über die gefrästen Überströme am Gehäuse verlief. So macht fräsen natürlich wenig Sinn, wenn die Hälfte dessen, was geöffnet wurde, wieder verdeckt wird.  Also müsste neben dem Kolbenclip auch eine neue Fußdichtung her.

Zufälligerweise hab ich noch einen neuen Malossi 139, den ich noch vor wenigen Tagen verkaufen wollte. Ich hatte den Zylinder bestellt, um ihn gegen meiner DR 135 zu tauschen. Letztendlich hab ich aber doch Abstand davon genommen, weil ich weder einen neuen Vergaser einbauen noch das Gehäuse öffnen wollte. Umso größer ist natürlich meine Freude, dass ich jetzt diesen Motor bekommen habe. Der bis jetzt verbaute Zylinder sieht eigentlich noch ganz gut aus. Er hat ein paar Schleifspuren an Zylinderwand und Kolben, aber grundsätzlich dürfte er noch funktionsfähig sein. Da ich jetzt aber sowieso einen neuen Kolbenclip, einen neuen Kolbenring und eine neue Fußdichtung verbauen müsste, werde ich wohl den neuen Zylinder auf das Gehäuse bauen. Den alten werde ich günstig verkaufen.

Aber wieder zurück zum Grundthema dieses Artikels, nämlich den Kosten.

Bisheriger Zwischenstand ist 235 Euro für Roller und Fahrtkosten.

Dazu kommen jetzt, um den Motor wieder fit zu machen:

Um die fehlenden Teile zu ersetzen und um den Motor wieder frisch zu lagern und zu dichten benötige ich Teile im Wert von  249,90 €.

Die Anschaffungskosten für den Roller inkl. Motor beliefen sich auf 235,- Euro.

Damit wären wir bei einem neuen Zwischenstand von 484,90 €.

Wie man sieht, schon jetzt eine Menge Geld, denn auch nach der Motorrevision bleibt das Ganze erstmal ein Haufen Blech, der nicht fährt und von dem ich auch nicht weiß, ob er so wie er vom Vorbesitzer bearbeitet wurde, überhaupt jemals gut laufen wird. Hier liegen nämlich gleichzeitig meine größten Sorgen und Hoffnungen. Entweder geht der Roller richtig gut und es gibt richtige Probleme, deren Behebung neue Kosten nach sich ziehen.

Das Video unten zeigt die Demontage des PX-Motors, so dass Ihr Euch selbst ein Bild machen könnte. Ich werde jetzt erst einmal den Motor überholen und Euch beim nächsten mal berichten, ob und wie der Motor läuft.

geschrieben von Frank in Allgemein und hat Comment (1)

Einen Kommentar für “Gebrauchte Vespas billig kaufen (Teil 2)”

  1. Günther sagt:

    wann gehts weiter?

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