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Einbau von Stoßdämpfern in eine Vespa V50 (mit Video)

Die V50 ist für viele das schöneste Vespa-Modell und das nicht ganz zu Unrecht. Schließlich ist sie das einzige Smallframe-Modell, das ganz in der klassischen Linie gehalten ist und wunderschöne Rundungen aufweist. Sie sieht daher im Prinzip genauso aus, wie die Vespa in den Vorstellungen der Menschen auszusehen hat. Erstmals 1963 auf den Markt gekommen konnte man sie 20 Jahre lang als Neufahrzeug kaufen. In der heutigen Zeit, in der neue Fahrzeugmodelle in der Regel nach 5 Jahren Lebensdauer abgelöst werden, absolut undenkbar.

V50 bremst und dämpft schlecht

So schön die V50 auch ist, so schlecht ist sie auf der anderen Seite auch zu fahren. Das Fahrgefühl liegt bei originalen Fahrzeugen irgendwo zwischen Bonanzarad und Schiffschaukel. Dieser Umstand ist natürlich auf den kleinen Rahmen, aber in der Hauptsache auf das Fahrwerk zurück zu führen. Bis zu 50 Jahre alte Stoßdämpfer entsprechen zum einen nicht der Stand der Technik und zum anderen garantiert verschlissen. Ganz besonders machen sich die schlechten Stoßdämpfer bei einer V50 beim Bremsen bemerkbar.

Eintauchen der V50 beim Bremsen

Nachdem man den Bremshebel gezogen hat, taucht die V50 vorn ein, bevor nach einer gefühlten Ewigkeit dann mal die Bremswirkung einsetzt. Ein ungutes Gefühl, wenn einem regelmäßig die Meter fehlen, die zwischen einer knappen Bremsung und einem Unfall liegen könnten. Auch in Kurven und beim Komfort machen sich die verschlissenen Dämpfer oft bemerkbar, denn weiche Dämpfer, die nicht schnell genug zurückfedern lassen den Roller schaukeln und über die Straße hüpfen. Jeder der mit einer V50 schon einmal über Kopfsteinpflaster gefahren ist, wird dies sicherlich bestätigen.

Meine V50 wird hauptsächlich von meiner Freundin gefahren und sie beklagte sich bereits länger über all die Phänomene, so dass ich mich entschlossen habe, endlich mal vernünftige Dämpfer einzubauen.

Seit Jahren gibt es die Bitubo-Dämpfer, die als Klassiker in der Rollerszene gelten. Die Dämpfer sind ohne Frage gut und hochwertig, aber eben auch sehr teuer. Deswegen habe ich mich nach einer preiswerteren Alternative umgesehen und bin bei den SIP Performance Dämpfer gelandet, die um rund ein Drittel preiswerter sind, aber ebenfalls einen sportlichen Charakter mit Einstellmöglichkeiten haben.

 

Was für ein Unterschied:

Um das Fazit mal vorweg zu nehmen:

WOW! Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Alle negativen Effekte sind weggefallen. Der Roller fühlt sich auch schon bei langsamer Fahrt, wertiger, sicherer, ja, sogar irgendwie „größer“ an. Der erste große Aha-Effekt kam dann bei starken Testbremsungen, denn der Roller braucht nicht erst einige Meter, bis er vorn eingetaucht ist, um dann zu bremsen, sondern entfaltet seine Bremswirkung schneller und besser. Das tiefe Eintauchen hat ein Ende, so dass man ein sichereres Gefühl hat und die Vespa besser und auch schneller kontrollierbar ist.

Ebenso verhält es sich auf unebenen Fahrbahnen. Der Kontakt zur Fahrbahn bleibt stets erhalten, die Dämpfer federn schnell wieder aus. Die Dämpfer bleiben trotzdem entsprechend ihrer Einstellung hart, ohne dabei unangenehm zu sein. Sicherlich auch dank der progressiven Federn, die erst ab einer starken Dämpfung härter werden.

Kurven sind mit dem SIP-Performance ebenfalls ein Traum. Gute Reifen vorausgesetzt hat man eine satte, ruhige Kurvenlage, die die V50 zu einem noch besseren Stadtflitzer macht.

Unzählige Einstellmöglichkeiten für jeden Fahrertyp

Das schöne ist auch, dass sich der SIP-Performance ganz den eigenen Wünschen anpassen lässt. Angefangen bei der Federvorspannung, an der man die „Härte“ der Federn einstellen kann und die Zugstufeneinstellung, mit der eingestellt wird, wie schnell der Dämpfer wieder zurück in seine Ausgangsposition zurückkehrt.

Wer auf Grund der generell eher sportlichen Optik des Dämpfers der Meinung ist, dass er mit diesem Produkt ein Tuning-Teil kauft, das für ihn selbst vollkommen übertrieben ist, der täuscht sich. Der SIP-Performance ist wirklich für jeden V50-Fahrer empfehlenswert, weil er die Fahrzeugsicherheit und den Fahrspaß ganz wesentlich erhöht. Die Einstellmöglichkeiten reichen von komfortabel bis sportlich, so dass man den SIP-Performance seinem individuellen Fahrstil anpassen kann. Wer diesen Dämpfer verbaut, wird seine V50 nicht wiedererkennen und den SIP-Performance auch nicht wieder hergeben.

 

Der Einbau von Stoßdämpfern in eine V50

Kleinteile für den Dämpferwechsel

Wer seine Dämpfer wechselt, sollte daran denken, dass er gleich noch ein paar Kleinteile erneuert:

Aus- und Einbau des vorderen Dämpfers

PX– und PK-Stoßdämpfer sind schnell eingebaut. Ein paar Schrauben gelöst, alten Dämpfer raus, neuen Dämpfer rein, fertig.

Bei einer V50 sieht das ganze schon etwas schwieriger aus, zumindest beim vorderen Dämpfer:

Der hintere Dämpfer ist da schon etwas leichter zu wechseln

 

Probleme beim Einbau

Obere Mutter des Stoßdämpfers lässt sich nicht lösen

Ein sehr großes Problem beim Dämpferwechsel kann eine festsitzende obere Mutter des Dämpfers sein. Die Stange des Dämpfers dreht in vielen Fällen mit, wenn man versucht die Mutter zu lösen. Piaggio kennt dieses Problem und hat schon damals eine Nut für einen Schraubendreher in die Stange eingebaut. Das Problem ist allerdings, dass man einen Schraubendreher nicht in diese Nut bekommt, weil der Kotflügel im Weg ist.

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten

1. Komplette Gabel ausbauen, Mutter lösen

Um den Kotflügel auszubauen muss man zuerst die Gabel aus dem Rahmen entnehmen. Das ist grundsätzlich nicht so schwer, bedeutet aber einiges an Aufwand. Wenn man daran denkt, dass man dieses Aufwand treibt um zu versuchen eine Mutter zu lösen, dann sieht man bereits, dass das ganze bei einem alten Dämpfer in keinem Verhältnis steht. Deshalb sollte man, wenn man den Stoßdämpfer nicht unbedingt wieder verwenden möchte, gleich von Methode 2 Gebrauch machen. Man sollte auch bedenken, dass man selbst wenn man die Gabel ausgebaut hat, keine Garantie hat, dass man nicht doch Methode zwei anwenden muss, weil sich die Mutter trotzdem nicht löst.

2. Abflexen der Dämpferstange

In der Regel will man die alten Dämpfer nicht mehr weiterbenutzen. Deshalb kann man in dem Falle, in dem die Mutter nicht abgeht gleich die Dämpferstange abflexen. Da man auf Grund des montierten Kotflügels schlecht mit einer Flex an diese Stelle kommt, kann man besser einen Dremel mit Trennscheibenaufsatz verwenden.

Schwingenlager sind verschlissen

Bei den Schwingenlagern handelt es sich um zwei Nadellager, die oft verschlissen sind. Oft ist der Käfig beschädigt und die Lager liegen einfach locker im Lenkrohr. Es ist daher in jedem Falle empfehlenswert diese Lager bei dieser Gelegenheit gleich auszutauschen. Da die Lager sehr festsitzen können, kann der Ausbau etwas länger dauern. Was auf jeden Fall immer hilft ist der Einsatz von WD40. Einsprühen, einwirken lassen, schon löst sich so mancher Rost, der das Lager hält. Grundsätzlich sollte man die Lager jetzt mit Hilfe eines dicken Schraubendrehers und ein paar Hammerschlägen von innen rausschlagen lassen. Sollte man hier scheitern, kann es empfehlenswert sein vorsichtig mit einem Dremel das Lager anzufräsen. Vorher sollte man natürlich die Nadeln entfernen. Wenn man jetzt den Lagerkäfig an einigen Stellen „dünn“ gefräst hat, wird er sich mit einigen weiteren Schlägen sehr leicht lösen.

Einbau neuer Schwingenlager

Wie bei allen Lagern, die in festes Material gepresst werden, ist auch hier die „Heiß/Kalt-Methode“ empfehlenswert. Das heißt, dass man die Lager über Nacht ins Gefrierfach legt, damit sie sehr kalt werden. Alternativ kann man natürlich aus Eisspray verwenden.

Das Lenkrohr wird für den Einbau mit einem Heißluftföhn erhitzt. Es reicht nicht, den Föhn für 30 Sekunden kurz auf die zu erhitzende Stell zu halten. Bis das Metal richtig heiß ist, kann es durchaus mal bis zu 5 Minuten dauern. Also lieber etwas länger erwärmen.

Warum macht man das so? Ganz einfach: Erhitztes Material dehnt sich aus, abgekühltes Material zieht sich zusammen. Zwar nur ein bisschen, aber die Kombination aus heiß und kalt gibt hier den entscheidenden Größenunterschied, der den Einbau ermöglicht.

Wenn jetzt also Lager und Lenkrohr die entsprechenden Temperaturen erreicht haben, drückt man das Lager schnell in den Lagersitz. Vermutlich wird das Lager nicht hineinrutschen, also sollte man mit leichten Schlägen mit einem Kunststoffhammer nachhelfen. Harte Schläge mit einem Metallhammer können das Lager beschädigen.

Wenn die Lager auf beiden Seiten eingebaut sind müssen die Lager ordentlich gefettet werden. Man kann das Fett direkt in die Schwingenlager geben oder es später mittels Fettpresse einpressen.

Silentgummi hinten lässt sich nicht lösen

Typischerweise lässt sich das Silentgummi vom hinteren Stoßdämpfer nur schwer oder gar nicht lösen. Allein aus diesem Grund sollte man ein neues Gummi mitbestellen. Vielen ist es schon passiert, dass die das Gummi letztendlich irgendwie vom Dämpfer runterbekommen haben, das Gummi auf Grund der Einwirkungen beim Ausbau später aber unbrauchbar, weil sich zum Beispiel die Metallplatten oben und unten am Gummi gelöst hatten.

Die Methoden das Gummi zu lösen sind vielfältig, es helfen aber auf jeden Fall wie immer WD 40, das man auch ruhig mal über nacht einwirken lassen kann, gutes Werkzeug und ein Schraubstock. Es ist wie schon erwähnt teilweise fast unmöglich das Gummi zu lösen, daher gibt es auch kein Patentrezept, wie man es abbekommt. Deswegen am besten einfach ein neues kaufen. Das sind gut investierte 6,- Euro.

Fazit

Der SIP Perfomance ist für mich im Moment der beste Dämpfer was das Preis- / Leistungsverhältnis angeht und meine absolute Empfehlung. Ich hatte bisher in noch keinem Roller einen derart guten Dämpfer verbaut. Zum Glück ist der SIP Performance nicht nur für die V50, sondern auch für PK und PX Modelle erhätlich. Der hintere Dämpfer passt übrigens nahezu universell für alle Modelle, also auch VNB, Sprint, etc.

Meine Freundin äusserte nach einer Probefahrt: „Wow, jetzt kann ich auch endlich vernünftig Kurven fahren“ und da hat sie Recht. Die Verbesserung des Fahrwerks durch den Einbau des SIP-Performance ist wirklich enorm und wird jeden V50-Fahrer überzeugen und begeistern. Der Roller fühlt sich wie ein besseres, neues Fahrzeug an. Der SIP-Performance sei jedem, der sicherer, besser und mit mehr Spaß unterwegs sein will, ans Herz gelegt.

geschrieben von Frank in Allgemein,Technik und hat Comments (3)

3 Kommentare für “Einbau von Stoßdämpfern in eine Vespa V50 (mit Video)”

  1. Marco sagt:

    Hallo, danke für den Bericht. Kleiner Tipp noch zu den Nadellagern. Lager kühlen, Sitz erwärmen und dann ganz einfach mit einer Schraubzwinge einpressen, funktioniert super gut.
    Eine Frage: haben denn die SIP Dämpfer eine Strassenzulassung?
    Gruß aus Hessen, Marco.

    • Frank sagt:

      Danke für die gute Ergänzung!
      Wie bei fast allen Teilen, die man so auf dem „Tuning-Markt“ ersteht, aber die Dämpfer keine Straßenzulassung. Im Zuge einer Einzelabnahme nach §21 dürfte man diese unter Umständen bei einem gnädigen Prüfer auch eingetragen bekommen.
      Einen Versuch wäre es wert.

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