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Zweitakt-Verbot konkretisiert sich

Winne Hermann

Winne Hermann

Im September ging es ja groß durch die Presse: Bis zum Jahre 2020 sollen alle Zweitakt-Motorroller aus dem Verkehr gezogen werden. Dieser Vorschlag sorgte natürlich für Diskussionen in der Blechroller-Szene. Deshalb wollte ich es genauer wissen und  habe Winfried „Winne“ Hermann von den Grünen, der u.a. für dieses Vorhaben verantwortlich ist, am 21.09.2010 eine Email geschrieben.

Dass es mal etwas länger dauert, bis man eine Antwort bekommt, ist normal, aber fast zwei Monate für die Beantwortung einer kurzen Frage finde ich dann doch etwas lang. Also habe ich bei Frau Dr. Sabine Krüger, Mitarbeiterin des Herrn Hermann, angerufen, um nach meiner Email zu fragen. Frau Krüger erklärte, dass täglich 100 bis 150 Emails bei Herrn Hermann eingehen würden und eine Bearbeitung dementsprechend lange dauere.

Auf Grund unseres Gesprächs hat Frau Krüger die Email vorgezogen und eine Antwort gesendet, die nicht gerade fröhlich stimmt.

Folgenden Text hat mit Frau Krüger per Email zugesandt:

Warum wollen die Grünen Motorroller mit Verbrennungsmotor langfristig aus dem Verkehr ziehen?
Insbesondere Motorroller mit Zwei-Takt-Verbrennungsmotoren, die mit einem Öl-Benzingemisch fahren, stoßen besonders viele Luftschafstoffe wie Benzol, Stickoxide und Kohlenmonoxid aus. Da sie technisch nicht mit einem Katalysator ausgestattet werden können, stoßen sie diese Schadstoffe ungefiltert in die Luft. Ein Zwei-Takt-Roller emittiert dabei z.B. nach einer Studie im Auftrag der Europäischen Union bis zu 500mal so viel Krebs auslösende Stoffe wie ein modernes Auto. Motorroller mit Viertakt-Motor sind zwar weniger umweltschädlich als Zwei-Takter, aber auch sie stoßen deutlich mehr Emissionen aus als moderne Autos.
Ein weiterer Grund sind die Lärmemissionen. Insbesondere knatternde Zwei-Takter  verursachen hohe Schallemissionen, die z.B. nachts Menschen aus dem Schlaf reißen mit negativen Folgen für Gesundheit und Ruhebedürfnis.
Zudem gibt es eine technisch verfügbare Alternative, die auch schon wirtschaftlich ist: Elektroroller. Diese kosten in der Anschaffung zwar noch mehr wegen der Batteriekosten, dafür sind sie aber im Betrieb unschlagbar günstig. Für 100 km werden nur Stromkosten in Höhe von 0,35 – 0,60 Euro fällig, während ein Motorroller mit Verbrennungsmotor Spritkosten von 4 – 6 Euro/100 km verursacht. Bis zum Jahr 2015 werden zudem die Batteriekosten aufgrund der geplanten Verwendung auch in Elektroautos nochmals deutlich zurückgehen.
Ab wann sollen keine Motorroller mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden?
Wir Grüne schlagen vor, keine Neuzulassungen von Motorrollern ab dem 1.1.2015. Bestandsfahrzeuge haben hingegen eine Übergangsfrist bis 2020 (Zweitakter) bzw. bis 2025 (Viertakter).
Sollen auch Motorräder mit Verbrennungsmotor nicht mehr zugelassen werden?
Nein, die Forderung bezieht sich auf Leichtkrafträder bis 125 ccm. Für schwere Motorräder ist die technische Alternative mit Elektroantrieb derzeit noch nicht ausgereift.
Seit wann fordern die Grünen, Zweitakter ab 2015 nicht mehr neu zuzulassen?
Dies war schon Gegenstand eines umfassenden Grünen Antrags zur Elektromobilität vom 11.2.2009 (Bundestags-Drs. 16/11915). In den beiden Bundestagsdebatten zu diesem Antrag vor der letzten Bundestagswahl hat keine andere Fraktion Einwände gegen diese Forderung formuliert.
Wie ist der gesetzgeberische Weg zu einem Verbot von Motorrollern mit Verbrennungsmotoren?
Ein solches Verbot kann nicht national entschieden werden, da dies gegen den Binnenmarkt in der EU verstoßen würde und z.B. italienische Hersteller erfolgreich gegen ein solches Verbot klagen könnten. Daher fordern wir die Bundesregierung auf, sich bei der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) für eine Änderung der Typgenehmigung von Motorrollern einzusetzen. Dieses Gremium setzt die technischen Normen fest, die für ganz Europa gelten. Die Typgenehmigung könnte z.B. dergestalt geändert werden, dass neue Roller ab dem 1.1.2015 Nullemissionsfahrzeuge sein müssen.
Entschädigungsfrage
Wir planen keine Entschädigungsregelungen. Schließlich sind auch andere Kraftfahrzeuge Anpassungen an Standards (etwa Abgasnormen und Grenzwerte) unterworfen. Auch ein ungefiltertes Dieselfahrzeug mit Euro-1-Norm darf nicht mehr in Umweltzonen einfahren und zahlt über die Kfz-Steuer noch einen Malus.
Die Forderung zu den Motorrollern ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unserem umfassenden Konzept zur Elektromobilität, das sich auf alle Verkehrsmittel bezieht. Der entsprechende aktuelle Antrag lautet: „Mit grüner Elektromobilität ins postfossile Zeitalter“ (Bundestags-Drs. 17/1164).
Diese Antwort ist für uns Vespafahrer natürlich frustrierend, denn nach dem Wortlaut dieser Mitteilung hieße dass, dass wir unsere Roller bis 125ccm noch 10 Jahre fahren, anschließend abmelden und ins Wohnzimmer stellen können.
Ich habe Frau Krüger nochmals konkret die Frage gestellt, ob es nicht doch eine Ausnahme für Fahrzeuge ab einem bestimmten Baujahr, bzw. Erstzulassungsdatum geben wird. Ich befürchte schlimmes und hoffe, dass sich eine entsprechende Lobby für Ausnahmeregelungen stark machen wird.
Ergänzung: Soeben erhielt ich von Frau Krüger eine weitere Mail. Sie schreibt wörtlich:
Für Oldtimer gilt der Vorschlag nicht!
Ich werde nochmals nachhaken, was ein Oldtimer im Sinne des Gesetzesvorschlags der Grünen ist.
geschrieben von Frank in Allgemein und hat Comments (8)

8 Kommentare für “Zweitakt-Verbot konkretisiert sich”

  1. Olli sagt:

    …da bin ich ja mal gespannt ob die „Grünen“ mich dann von meiner Lambretta zerren und verhaften lassen…

    … da wird es dann bestimmt auch sowas wie ne Oldtimerzulassung geben… für Fahrzeuge die als Kulturgut eingestuft werden, und das sind unsere Kisten ja wohl!

    Gruß… Olli

  2. Rolf sagt:

    Aber die Dumpfbacken in Berlin dürfen das Wendland als Atomklo mißbrauchen, oder was?. Da lobe ich mir doch den Duft des Zweitakters. Wer sagt denn, daß die Stromversorger den Individualverkehr überhaupt mit genügend elektrischer Energie versorgen können, wieviel Atomstrom und wieviel Emissionen werden dafür im Vorfeld benutzt und erzeugt. Dann wäre da noch das Problem der Batterietechnik, die ist immer noch unzureichend, was ist mit der Entsorgung alter Batterien. Wenn ich die Politiker mit ihrem dummen Gewäsch schon höre, kommt mir das Kotzen bei so viel unverfrorener Dummheit.
    Scheiß was auf Atomstrom, rettet die Vespa !!! Jawoll !!!

  3. Louis sagt:

    Alle politiker bei den grünen hatten während ihrer jugend keine mopeds oder roller, denn hätten sie welche gehabt käme es nie in frage so eine absurde regelung einzubauen

  4. superHERO sagt:

    Keine Panikmache, ist doch gar nicht so schlimm.
    Unsere Karren sind bis 2020 doch eh gut über 30, also Oldtimer und mehr als 125ccm einzubauen um als „Motorrad“ eingestuft zu werden ist auch nicht so schwer.
    Also alle die 2020 noch keine 30 Jahre sind,
    nen Tuningzylinder drauf und als „Motorrad“ zulassen.
    Ausserdem muss das Gesetz Europaweit durchgesetzt werden also viel Spass Grüne.
    Achso die welche keinen Motorradführerschein haben für die könnte es blöd werden…also schnell machen.
    ABER:
    Was soll ich denn noch wählen wenn ich gegen Atomkraft und gegen das Zweitaktverbot bin, eine Sch… ist das.

  5. kitzlkatzl sagt:

    Ok ich find es in Ordnung, wenn man sagt, daß ab einem Stichtag hergestellte Roller gewisse Normen erfüllen müssen.

    Aber es gibt viele die vielleicht tausende von Euro in ihren 50 Jahre alten Roller gesteckt haben um einen Teil der Geschichte zu erhalten.

    Ich fahre im Sommer immer mit Roller auf Arbeit statt mit dem Auto. Gut das Auto verbraucht auch nur 6 Liter aber der Roller nur knapp 3 Liter.

    Ich denke auch das die EU weit wenig Erfolg haben, da in anderen Ländern noch mehr Roller gefahren wird.

  6. SMarco sagt:

    Sowas ist bestimmt wieder Verfassungswidrig und es kann gegen geklagt werden – war doch beim ersten Versuch mit den Winterrreifen in Dtl. das gleiche.

  7. CFrank sagt:

    Das finde ich echt lächerlich. Warum soll ich nicht mit meinem Roller fahren der sich 2,5L auf 100Km durchzieht? Dann fahr ich mit nem alten Auto (Geldmangel), das sich dann seine 8-9L reinzieht. Macht ja auch Sinn, dass ich als Einzelperson noch eine Tonne unnötigen Ballast mit mir herumfahre -.- .

  8. ThomasPP sagt:

    Hier stehen KFZ-Steuer von 46,02 EURO für Oldtimerzulassungen und 14 EURO (200er) gegenüber.

    In meinen Augen eine Abzocke!!!

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